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Fragen mal anders 3 - Angst vor „falschen“ Entscheidungen der Berufs- und Studienwahl

„Ich kann mich – jetzt – noch nicht wirklich entscheiden“

Irgendwas mit….Technik, …mit Menschen,…mit Business…..mit Forschung

MEINE Prüffragen an die Studien- und Berufswahl.

Prüffrage 4: Soll ich tun, was mir „Spaß“ macht?

1. Die meisten wünschen sich eine berufliche Tätigkeit, die „Spaß“ macht. Das Wort „Spaß“ kommt worthistorisch (etymologisch) vom italienischen Begriff „Spasso“, das für die „Verdrängung von Langeweile, Zeitvertreib, Vergnügen oder Zerstreuung finden“ stand. Heute steht es insbesondere für die „Freude an der Arbeit“.

Spaß bedeutet aber nicht immer nur „Leichtigkeit“ und “Anstrengungslosigkeit“. Der Dopaminausstoß muss auch oft von (erfolgreichen) Anstrengungen verursacht werden, wie Lernen und Üben. Gerade die bereits mehrfach erwähnte Berufs- und Studienwahlentscheidungsgröße der „Begabung“ schreit geradezu nach Weiterentwicklung vorhandener Fähigkeiten, aber dies wird nicht immer „Spaß“ machen, wohl eher der anschließende Lernerfolg. Das ist damit eine elementare Voraussetzung für den persönlich stärksten Antrieb bei der Berufs- und Studienwahl: „Sich selbst verwirklichen“.

Für 48% der Generation Y und 58% der Generation Z in Deutschland ist Spaß der wichtigste Leistungsmotivator (Studie „Junge Deutsche 2019“)[1]. Und Spaß ist ein wichtiges Kriterium, um Mitarbeiter zu binden. Also, bitte keine Jobs, die langweilig sind und eher unterfordern.



Prüffrage 5: Will ich auf keinen Fall einen „Bullshit-Job“ machen?

Warum es so wichtig ist, die Berufs- und Studienwahl mit den richtigen Ausgangsfragestellungen zu versehen, zeigt spätestens ein Blick in die Studien und Untersuchungen zur Arbeitszufriedenheit.

Eines der erfolgreichsten Bücher und Bestseller der letzten Jahre war die Publikation von David Graeber mit dem schönen Titel „Bullshit-Jobs“[2].

Hier ein paar Statements aus dem Buch und von Rezensenten:

„Die Wirtschaft ist durchsetzt mit komplett sinnlosen, aber gutbezahlten Tätigkeiten. Die Welt wäre erträglicher, wenn sich bestimmte Berufsgruppen einfach in Luft auflösen würden“[3].

„Es ist ja Bestandteil eines Bullshit-Jobs, dass man nicht zugeben kann, dass er Bullshit ist“[4].

„Dürfen wir uns über einen Quatsch-Job bei einer guten Bezahlung beklagen?“[5].

Was, wenn ein Job objektiv Bullshit ist, die Betroffenen selbst das aber nicht so sehen?“[6].

„Laut Umfragen sind an die 40 Prozent der Büroangestellten in westlichen Ländern davon überzeugt, dass ihre Arbeit keinerlei Sinn hat“[7].

„Jeder dritte Arbeitnehmer hält seinen Job für sinnlos“[8].

„Bullshit-Jobs sind in der Regel gut dotiert und beeindrucken, wenn sie auf der Visitenkarte stehen. Ihr Pferdefuß ist, dass es sich bei ihnen um völlig nutz-, witz- und sinnlose Tätigkeiten handelt, die die Gesellschaft kein Jota nach vorne bringen. "Leute mit einem solchen Job sind sich so gut wie immer selbst im Klaren, dass der Welt nichts verlorenginge, wenn es ihren Job nicht mehr gäbe. Wenn man weiß, was ein Beruf für das Selbstwertgefühl der Menschen bedeutet, ist die massenhafte Existenz von Bullshit-Jobs eine Tragödie, eine Narbe auf unserer kollektiven Seele[9].

Bis zu 37 Prozent der gesamtgesellschaftlichen Workforce, meint Graeber, wüssten insgeheim, dass ihr berufliches Treiben völlig zwecklos ist, müssten dieses Wissen aber logischerweise für sich behalten. Als Graeber Arbeitgeber, die Bullshit-Worker beschäftigten, auf die Sinnlosigkeit von deren Jobs ansprach, reagierten diese regelmäßig zornig und empört.

Wenn Bullshit-Jobs aber keinen Sinn ergeben, warum existieren sie dann? Graeber erläutert dies am Beispiel eines Untertypus der Bullshit-Arbeiter, des "Flunky". Flunkies sind Kofferträger, Lakaien, deren einziger Sinn und Zweck darin besteht, Leute, unter denen sie arbeiten, wichtiger erscheinen zu lassen. Je mehr Kulis einer hat, desto bedeutender wirkt er selber. Daher hat er keinerlei Antrieb, sich in seinem Betrieb oder Konzern seiner unnützen Untergebenen zu entledigen".

Ein anderer Typus des Bullshit-Arbeiters ist der "Goon": Der wird im Konzern X nur deshalb gebraucht, weil es im Konzern Y auch Goons gibt – so wie sich ein Land eine Armee nur deshalb hält, weil auch das Nachbarland eine Armee hat (klassische Goon-Beispiele sind Telemarketer oder Konzernanwälte). Andere Bullshit-Worker supervidieren Arbeitsprozesse, die ohne sie ebenso gut erledigt würden, kümmern sich um Probleme, die das Unternehmen ständig selbst erzeugt, oder evaluieren am laufenden Band irgendwelche Informationen in Dossiers oder Tabellen, ohne dass diese Evaluationsergebnisse jemals die geringste Konsequenz hätten[10].

„Ob Telefonverkäufer, Personalentwickler, Banker, Strategieberater oder Lobbyisten: Aus 250 Fallstudien destilliert Graeber eine lange Liste von Tätigkeiten, die - zumindest für die Gesellschaft - nutzlos seien. Er zitiert Umfragen, wonach 40 Prozent der Briten und Niederländer ihren Broterwerb so sehen. So wie Firmenanwälte, von denen "ich wahrscheinlich noch nie einen getroffen habe, der seinen Job nicht für schwachsinnig hielt". Und jene Beschäftigte eines Altenheims, die Bewohner regelmäßig nach ihren Wünschen befragt - wissend, dass die Ergebnisse in der Schublade verschimmeln“[11]

Erschreckende Feststellungen.

Dazu kommen noch folgende – sehr ernüchternde - empirische Erhebungs- und Studienergebnisse:

1. Man soll, wie schon erwähnt, einen Beruf wählen, der SINN-erfüllend ist. Wenn man sich die Befragungsergebnisse zu Erhebungen zu „Meinungen über den Job“ ansieht, läuft es einem eher eiskalt den Rücken runter[12]:

· 56% der deutschen Erwerbstätigen sind der Ansicht: „Mein wirkliches Leben beginnt nach Feierabend

· 52% der deutschen Erwerbstätigen resignieren fast schon: „Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich morgen aufhören

· Nur knapp 30% % der deutschen Erwerbstätigen geben dem beruflichen Ziele immer Vorrang.

In dem Zusammenhang sei noch auf die Befragungen der weltweit bekannten YouGov-Initiative aus dem Jahre 2015 hingewiesen (Deutschland: n = 539 ArbeitnehmerInnen; GB: n = 849 ArbeitnehmerInnen; USA: 481 ArbeitnehmerInnen) [13]:

(1) „Glauben Sie, dass Ihre Arbeit einen sinnvollen Beitrag für die Welt leistet oder nicht?“: Deutschland: 35%: kein sinnvoller Beitrag – 53%: sinnvoller Beitrag – Rest: egal

USA : 24%: kein sinnvoller Beitrag – 63%: sinnvoller Beitrag – Rest: egal

GB : 37%: kein sinnvoller Beitrag – 50%: sinnvoller Beitrag – Rest: egal

YouGov merkt dazu an: „Interessant dabei: Während es in den USA einen deutlichen Zusammenhang gibt zwischen dem Einkommen und der wahrgenommenen Sinnhaftigkeit der Arbeit, existiert dieser in Deutschland nicht.